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auf dem Internet wird SHA so beschrieben

und die deutsche "Fachzeitschrift" (...!...) Keys schreibt dazu: (Keys 1/7, 2006)

eine Suche durch Grabbelkisten voller alpiner und persischer Inflektionen, drum & bass orientierter Improvisationen, Remixe, Dubs, Ambiancen,
Kollagen & eigenständigen Kreationen aus den Ateliers von Peeni Waali vs. Schildpatt
mit Santur-Meister Alan Kushan und all den anderen Meistern

 

im RecRec Katalog steht folgende Kurzbeschreibung

oder andere Kritiken auf'm Internet

 

Ich war angenehm überrascht, als Roland auf meine Anfrage, eine Drum’n’Bass_lastige Produktion mit Hackbrett in Angriff zu nehmen, sofort mit Begeisterung zusagte. Es sollte eine CD mit vielen Leitmotiven, vielen roten Fäden, aber in erster Linie "just a little joyful noise" werden. Eine Musik aus Jux und Tollerei, der Musik zuliebe, gedacht ohne Prätention.
Die angesprochene Technik sollte unter allen Umständen immer und nur ein Hilfswerkzeug bleiben. Die Produktion würde geprägt sein von herrlich Handgemachtem von Künstlern wie z.B. Alan Kushan mit seinem persischen, filigranen Santur_Spiel oder Meister Ljubo Majstorovich, dessen virtuoses Saitenspiel einen sofort und unmittelbar auf den Balkan versetzt. Das ganze Album soll durchzogen sein von der Liebe zum Handwerk und zum Detail. Es sollte ein ge-spieltes und ein ver-spieltes Album sein.

Mit der Begegnung des Klangmaterials von „Tunsch“ entstand der Wunsch, eine andere ‚Arbeitsweise’ einzubinden: der Umstieg von analoger Installation zu volldigitalisiertem Harddiskrecording brachte moderne Werkzeuge ans Tageslicht. Eine der Spielwiesen moderner Musik ist sicher die glückliche Weiterentwicklung der (stumpfen) TechnoSchiene, d.h. Drum And Bass, Chill-Out, Remix  oder Ambient und wie sie alle heissen. Musik, produziert mit intelligenter Zuhilfenahme von Maschinen. Maschinen, welche dermassen raffiniert sind, dass nicht einmal mehr die Frage interessant ist, ob denn dies oder das auch mit einem ‚richtigen Musiker’ eingespielt wurde. Aufnahme- und Kompositionstechniken, die den modernen „SparAlltag“ reflektieren. Jeder hat einen Komputer. Jeder ist sein eigenes Orchester. Die Herausforderung heisst mehr denn je: Geistreichtum, Phantasie und Originalität, die heilige Flamme der Kreativität. Und dennoch, der Wunsch nach synergetischem ‚Zusammen, von Mensch zu Mensch musizieren’ bleibt und erweitert die Palette: zusammen mit Mensch und Maschine; noch mehr Herausforderung.

Erste Versuche resultierten in einem Aufschichten von verschiedenen klanglichen Bausteinen im Sinne eines Patchworks, einer Collage; z.B.mit einem selber aufgenommen Muezzin, den ich schon 1982 verwendet hatte: und schon war der Zauber einer ersten Messlatte gesteckt... Das Ungewöhnliche an dieser Improvisation plus Muezzin war, dass wir einen Bass unterlegten, der in keiner Weise der Tonika für einen solchen Gesang entsprach.
Doch der momentane Schwurbel mit dem provokativen Unsinn der Mohammed-Karikaturen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar wäre die von diesem Muezzin gesungene Sure aus dem Koran (Ar-Rum, Vers 30)

وَمَا آتَيْتُم مِّن رِّبًا لِّيَرْبُوَ فِي أَمْوَالِ النَّاسِ فَلَا

 يَرْبُو عِندَ اللَّهِ وَمَا آتَيْتُم مِّن

 زَكَاةٍ تُرِيدُونَ وَجْهَ

 اللَّهِ فَأُوْلَئِكَ هُمُ الْمُضْعِفُونَ

eine nicht-fundamentalistische, friedliche Botschaft, welche durchaus im Sinn meiner Vorstellung gewesen wäre: denke und tue Gutes und Du erreichst mehr als Du verdienst... (aus uralten zoroastrischen Überlieferungen, lange, lange vor dem Koran!).
Nun haben tagelange Diskussionen mit Islamwissenschaftlerinnen und islamischen Internetforen allerdings einen ziemlich klaren Bann geworfen: es ist politisch nicht korrekt, den Qu'ran zu "vertonen". Obwohl
eins unserer Leitmotive des Projektes beinhaltet, Brücken zu schlagen, hätte dieses Stück gerade heute eine noch grössere Daseinsberechtigung, weil es uns damit nicht um eine politische Standortbestimmung geht, sondern um einen "Ruf"; eine Stimme einzubetten; Paradigmen (z.B. eben die arabische Vortragsweise eines Muezzins) einmal vor einen anderen Hintergrund, bzw. musikalische Untermahlung gestellt. Aber es soll nicht sein. Also wurde der Muezzin wieder rausgenommen, Vokale und Konsonanten analysiert, vertauscht und neu eingesungen vom heimischen Minaret Mensch aus, ein 'purer' Muezzin (ohne inhaltliche Aussage... eine Art musikalischer Marshmallow). In keiner Weise ist dies als Karikatur oder Beleidigung gemeint. Einer unserer Dialog-Partner vom islamischen Forum schreibt: "the melody is no biggie - so long you don't use the Qu'ran..." und bedankt sich für den Respekt, den wir dem Thema gezollt haben (d.h. gar nichts aussagen...).

Ein gelöstes Problem, und doch stimmt es mich sehr bedenklich, dass mit diesen Karikaturen so ein Hirnschwurbel entstand und stigmatisiert wird bis zum Absurdum. Und nebenher - gerade neulich - tritt der Ober-Manitou von Nestlé an die Öffentlichkeit mit einem horrenden Zitat (ob der Herr Direktor Nestlé jetzt ein Landst-, ein Öste- oder ein Brötchenstreicher ist, und ob der grün oder blau ist, bzw. ob der an Astralschnuller glaubt oder an etwas anderes spielt überhaupt keine Rolle):
hat der doch tatsächlich die Stirn, öffentlich auszusagen, Wasser sei ein Nahrungsmittel und man müsse Wasser privatisieren. Nestlé ist ein Nahrungsmittelkonzern, also will Nestlé Wasser als Nahrungsmittel "legitimieren" und verkaufen!
Solch ein Statement bedürfte wirklich Millionen Menschen, die auf die Strasse gehen.
Aber eben: versuche Gutes, und Du wirst John Lennon kennenlernen... Heisst Du  Marshmallows, dann wählen sie Dich zum Präsidenten!

Aber unser Bestreben gilt eigentlich gar nicht den Sanktionen (sowenig wie dem Sakralen). Unser Handwerk ist dem Spieltrieb gewidmet, Freude zu verschaffen, Positives zu verbreiten und damit recht und billig , Gutes Tun'. Gerade "Beacon of Hope" illustriert, dass alles gut genug ist, eine Brücke zur Hoffnung zu schlagen, sei dies ein Leuchtkäfer oder - für manche - ein Christ. Die Brücke ist nur ein Träger. Wir sind die Botschafter. Die Botschaft ist in unserem Fall eine friedliche Musik der Hoffnung. Es gilt, die andere Seite, die bessere zu erreichen. Zusammen mit Menschen aus aller Welt, unabhängig von ihrem Glauben und/oder ihrer Religion und mit diesen Menschen so etwas Friedliches zu tun wie z.B. "nur" Musik und dabei immer wieder die „Messlatte des Ungewöhnlichen“ zu überschreiten.

Mensch Music vernetzt mittlerweile viele Künstler aus früheren Produktionen und so entstand der Wunsch, auch "auf Distanz" mit Musikern zusammen zu arbeiten. Viele unserer Freunde sind mittlerweile technisch gut genug ausgerüstet, Aufnahmen zu Hause zu machen und so ist mit der heutigen Kommunikationstechnologie (u.a. Internet) die Übermittlung von "Klangbausteinen" (z.B. Solos) ein willkommener Fehdehandschuh. Sylvain Gagnon lieferte einen akustischen Stehbass aus Hong Kong, Barbara Dennerlein ein Orgelsolo aus München, Raphael Zweifel eine Cellopassage aus Paris und Matt Weeks, den wir persönlich nicht einmal kennen (!), einen fantastischen Funk-Bass aus England... und alle sind sie mit uns...

Begegnungen virtuell und Begegnungen aus konkreten Situationen: so besuchte der schwedische AusnahmeExzentriker Lars Hollmer eines Tages das Dorf Weite und es wurde kurzerhand ein kleines Konzert organisiert im nahegelegenen Restaurant "Heuwiese". Auch ein Ausschnitt aus dieser Begegnung fliesst nahtlos ins Projekt.
Es ist ein angenehmer Nebeneffekt, dass die Produktion wie ein Gästebuch fungiert. Jeder musikalische Besuch hinterlässt seine Spur mit einem gemeinsamen Nenner: positive Botschaften und Betrachtungen, wie z.B. das Gedicht

Bi mongol Chun

Argaliin utaa borgilsan
Maltschnii gert törsön bi
Atar cheer nutgaa
Oelgie min gej boddog
Tsencher manan suunaglasan
Alsiin baraag shirteed
Tselger saichan nutgaa
Setgel bachdam charachad
Uleej baigaa salchi ni
Unseed ch baigaa jum schig
Oerschöölt eejiin min gar
Ileed ch baigaa jum schig
Enerengui saichan sanagdachad
Eleg zurch min dogdloj
Chosgui bayariin nulims
Chojor nudiig min burchdeg.

(Ein Mongole sitzt auf dem Berg und betrachtet seine Umgebung.
Denkt wie schön seine Heimat doch ist. Er spürt den Wind über
seine Wangen streichen, wie er es von seiner Mutter gewohnt ist.
Es fallen Tränen in seiner Glückseligkeit.
)

Wie so oft in/während kreativen Produktionen, entdeckte ich (10 Jahre früher) während der Produktion eines Industrial_Projektes („Manoeuvres d’Automne“) ein Phänomen, seit welchem ich immer alle Ohren steif halte: wir ‚bauten’ eine gigantische Symphonie aus Frosch-, Sumpf- und anderen Naturaufnahmen (damals noch alles mit Bandschnipseln, Sampling war noch nicht in bezahlbarer Reichweite) und mischten das ganze mit industriellem Metall-Krawall.
Geblieben von der Produktion ist die lebendige Erinnerung an wie diese Frosch-Symphonie unveränderlich, absolut und immer magisch groovte. In späteren Jahren machte ich erneut diese Feststellung: Frösche grooven immer und zu allem!

 (Anspieltip: "Canabeat") - siehe dazu auch "Kulu Hatha Mamnua".

Eine andere Entdeckung erweckte ebenfalls ‚kreative Gelüste’: eine Produktion von Wendy Carlos („The Beauty in the Beast“), vor allem getragen von mikrotonalen Stimmungen, zeigt deutlich, dass ‚verstimmte’ Sachen für's Ohr durchaus schmeichelhaft sein können (eine von synthetischen Klängen bislang unerhöhrte Wahrnehmung), gerade weil eine "natürliche Reibung" vorliegt.
Und so kam Gabriel Schiltknecht's herrlich gespieltes Balafon mit all den klanglichen ‚Unzulänglichkeiten’, bzw. diesen ‚ungewöhnlichen’ Stimmungen, den Launen dieses Instrumentes wie gerufen...

...und lange hing natürlich die Frage im Raum, ob Herr Waali denn jetzt nicht doch noch einen Reggae einwirft. Also krempelte Peeni die Ärmel hoch und fand zwei Ostinati von, mit und zu Schiltknechtens und schon rast da fareilich ein Reggae-Groove durchs magische Grammophonnadelör.

"SHA" ist auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es zeigt eine opulente Vielfalt von Klängen, Klangspielereien, Effekten und - vor allem - Kontrasten; eine neue Form von World Music. Neue Elemente und Produktionstechnologien werden mit den Wurzeln der eigenen Musik verbunden, die vielen bestehenden Verbindungen zu den verschiedensten Musikern und Kulturen aus aller Welt aufrecht zu erhalten, weiter zu pflegen und damit etwas Neues zu schaffen, immer im Bewusstsein, dass es trotz allem immer nur ein kleines Fenster ist, eine Seite im Tagebuch, just a joyful noise! Wir hoffen, den Zeitgeist getroffen zu haben und verbleiben

                                                 mit zeitlosen Grüssen


                                    Leuchtkäfer!Signet.gif (2250 bytes)Leuchtkäfer!

PS.: ganz besonders freut uns natürlich, dass wir auch von den fantastischen Künstlern selbst offensichtliche Freude gespiegelt bekommen, mit von der verrückten Partie gewesen zu sein...

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